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Die Werbehexen in den Kinderohren

Christian Beck

Podcasts sind in aller Ohren. Immer mehr Menschen entdecken Audioinhalte für sich. So auch meine achtjährige Tochter. Damit sie nicht immer dieselben paar Hörspiel-CDs rauf und runter anhören muss, suchten wir auf Spotify nach kostenlosen Inhalten. Und wurden fündig. Aber: Auch kostenlose Inhalte haben ihren Preis. Deshalb ist es wichtig, Kinder darauf zu sensibilisieren.

Die Tochter, eine eifrige Leserin, ist mittlerweile also auch begeisterte Podcast-Hörerin. Ihr Favorit: «Die Playmos». Dutzende Folgen gibt es bereits davon. Mittlerweile hat sie sich einige angehört. Die Hörspiele handeln von Tobi und seinen drei Spielzeugfiguren, die lebendig werden, sobald er das Zimmer verlässt. Die drei Playmobil-Figuren und ein vorlauter Papagei erleben in unterschiedlichen Spiellandschaften immer neue Abenteuer. Zugegeben: Die Hörspiele, produziert von Lizenznehmer Floff Publishing, sind aufwendig und gut gemacht.

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Rund eine Stunde dauert eine Folge. Zuletzt lief auf dem Tablet «Ein Fall für das Sondereinsatzkommando». Während dieser Stunde schaut sich meine Tochter jeweils das zum Hörspiel dazugehörige Foto auf Spotify an – bestehend aus Original-Playmobil-Figuren, Playmobil-Fahrzeugen und Playmobil-Häusern. Sie taucht in Gedanken ganz in die Hörspielwelt ein. Und nach dieser einen Stunde ist die Kleine angefixt. «Papi, ich will auf Weihnachten genau dieses Set haben.» Die Wunschliste ist bereits Wochen vor der Bescherung angelegt.

Wenn die Tochter in den Sommerferien auf YouTube mal einen für Kinder geeigneten Inhalt schauen durfte, dann wusste sie, dass der kurze Film davor «nur nervige Werbung» war. Sobald der Spot übersprungen werden konnte, machte sie dies. Darf sie am Wochenende für eine vordefinierte Zeitdauer den Fernseher einschalten, dann schaut sie zeitversetzt. Für Werbung interessiert sie sich nicht, die wird überspult. Dass es sich aber bei den «Playmos» um geschicktes Kindermarketing handeln könnte, realisierte die Achtjährige anfänglich nicht.

Ich habe ihr daraufhin – nicht das erste Mal – von den «Werbehexen» erzählt. Sie hörte interessiert zu und schien zu verstehen, dass sie die Werbehexen auch hier verführen wollen – nicht nur in den Pre-Roll-Ads auf YouTube, in der TV-Werbung oder sogar während dem Einkauf im Supermarkt. Ich war voller Hoffnung, dass sie jetzt durchschaut, dass auch die Hörspiele der «Playmos»-Serie durch das Product Placement einen Hintergedanken verfolgen könnten.

Und tatsächlich: «Playmos» sind jetzt out. Nun hört sie auf Spotify «Schleich Horse Club». Und der Weihnachts-Wunschzettel wird um Schleich-Spielfiguren ergänzt.



Christian Beck ist Redaktor bei persoenlich.com. 

 

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