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Das Publikum will ein gutes Programm

Pierre Rothschild

«Während des Lockdowns wegen des Coronavirus hat die Bedeutung sämtlicher Medien für die Schweizer Bevölkerung zugenommen, allen voran jene der SRG-Medien (54 Prozent). An zweiter Stelle folgen regionale Radio- und TV-Sender mit einer Zunahme von 37 Prozent», berichtete persoenlich.com.

Nathalie Wappler, Direktorin Schweizer Radio und Fernsehen und stellvertretende Generaldirektorin SRG, plant. Ein unklarer Mix von Online und herkömmlicher Programm-Verbreitung steht uns (vielleicht) bevor, und vor lauter Rauch sieht man nicht mehr klar, wenn man über all die Pläne und Ideen aus dem SRG-Haus liest.

Für die Zukunft der SRG ist das alles riskant. Die SRG hat einen klaren Leistungsauftrag. Schon jetzt fühlen sich viele Serafe-Zahler nicht mehr wohl. Wichtige Sportrechte sind nicht mehr da, Spitzensport kostet bei UPC und Swisscom nochmals Geld.

Oft hat man das Gefühl, dass Wapplers Gedanken noch von ihrer Zeit in Deutschland geprägt sind. ARD und ZDF haben viele kleinere Sender im Angebot (ZDF neo, ZDF History etc.) und vor allem einen wesentlichen Unterschied zu den Werbemöglichkeiten der SRG: Ab 20 Uhr darf man in Deutschland bei den öffentlich-rechtlichen Sendern keine Werbung ausstrahlen. So wird der Blick auf die Quote sekundär, für Programmmacher eine gute Sache.

Nicht so in der Schweiz: auch nach 20 Uhr wird Werbung gezeigt – und nicht wenig. Das zwingt die Sender, das Beste zu geben, das Beste zu senden. Intern muss man gute Formate («Eco») nicht abschaffen, sondern sogar über alte Formate nachdenken. In einer Zeit ohne Grenzen wäre es wichtig, Sendungen wie «Aktenzeichen XY» wieder ins Programm zu nehmen. Denn jetzt kommen die Täter ohne wesentlichen Kontrollen ins Land. In der Vergangenheit könnte teilweise eine gute Zukunft zu finden sein. Denn: die letzte Abstimmung über die Zwangsabgabe war für die SRG noch einmal ein Erfolg. Es waren aber die älteren Stimmbürger, die hier wesentlich waren. SRG – das ist und war für sie Mäni Weber und Kurt Felix. Erinnerungen an Hans O. Staub und Heidi Abel. Es waren Erinnerungen an «Dopplet oder nüt» und «Teleboy».

Die nächste Abstimmung, das darf man annehmen, wird kommen. Wenn das klassische Angebot dann nicht mehr stimmt, kann es schlecht enden.

Nach wie vor gibt es das TV-Lagerfeuer. Besonders in der Zeit wie jetzt, wo man weniger ausgeht oder ausgehen kann. Man schaut gemeinsam, man kann nachher gemeinsam diskutieren. Ein Trend, der in Deutschland sogar wissenschaftlich belegt wurde. Und das «Public Viewing» war in der Schweiz vor Corona so beliebt wie kaum zuvor.

Die SRG wird Erfolg haben, wenn sie im kleinen Markt das macht, was die Zuschauer erwarten: Ein gutes Programm auf den angestammten Sendeplätzen. Nicht mehr, nicht weniger. Die SRG darf dem Jugendwahn nicht verfallen. Wie erfolgreich man das macht, zeigt der SRG-Sender Virus seit Jahren. Der Marktanteil beträgt 0,2 Prozent.



Pierre Rothschild ist freier Medienunternehmer in Zürich in den Bereichen Filmproduktion und Presse.

Unsere Kolumnistinnen und Kolumnisten vertreten ihre eigene Meinung. Sie deckt sich nicht in jedem Fall mit derjenigen der Redaktion.

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