05.12.2021

Nachwuchsförderung

Bei diesen Medien werden Talente geschmiedet

Private Medienhäuser investieren viel in die Ausbildung des eigenen Nachwuchses. Dies zeigt eine persoenlich.com-Umfrage bei CH Media, NZZ, Ringier, Tamedia und 20 Minuten. Auch wenn SRF den Stage bis 2025 aussetzt: An Ausbildungsplätzen mangelt es nicht.
Nachwuchsförderung: Bei diesen Medien werden Talente geschmiedet
«Mit einer eigenen Ausbildung investieren wir einerseits in den Journalismus von morgen und beugen anderseits einem Nachwuchsproblem vor», heisst es bei CH Media. (Bild: Pixabay)
von Christian Beck

Auch wenn Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) die journalistische Grundausbildung momentan auf Eis legt, so ganz hoffnungslos ist die Situation für angehende Talente nicht.

SRF hat den Start des Journalistischen Stages um drei Jahre auf 2025 verschoben – aus Spargründen und weil momentan den Stage-Abgängern keine Stelle zugesichert werden kann. Die Organisation Junge Journalistinnen und Journalisten Schweiz (JJS) zeigte sich gegenüber persoenlich.com enttäuscht. «Wir fordern eine möglichst rasche Wiederaufnahme», so Co-Präsident Pascal Scheiber.

Beim öffentlichen Medienhaus gibt es also momentan keine umfassende Journalismus-Ausbildung. Doch wie sieht es nun konkret bei den Privaten aus?

15 Talente in der CH Media Academy

Einen adäquaten Ersatz zum SRF-Stage bietet im Bereich elektronischer Medien CH Media Entertainment. Im März 2021 startete die CH Media Academy (persoenlich.com berichtete). Dort erhalten 15 junge Talente eine praxisnahe, trimediale, journalistische Ausbildung und erlernen während 21 Monaten das journalistische Handwerk in den Bereichen TV, Radio und Online. Zum Vergleich: Bei SRF werden pro zweijährigem Lehrgang zehn bis zwölf Stagiaires ausgebildet.

«Seit der Gründung vor drei Jahren hat CH Media massiv in die Ausbildung von Journalistinnen und Journalisten investiert und die Anzahl der Ausbildungsplätze substanziell erhöht. Durch die CH Media Academy wurden etwa im Bereich Entertainment rund zehn neue Volontariatsstellen geschaffen», so CH-Media-Kommunikationschef Stefan Heini auf Anfrage. Daneben würden auch in den TV- und Radioredaktionen weiterhin verschiedene Praktikumsplätze angeboten. Bei den Zeitungen und Onlineportalen der Tageszeitungen würden derzeit rund 20 Volontärinnen und Volontäre sowie rund 30 Praktikantinnen und Praktikanten arbeiten.

«Wir sehen es als unsere Pflicht an, dass wir unsere Verantwortung als Akteur im Medienmarkt und als Arbeitgeber umfassend wahrnehmen und entsprechende Ausbildungsmöglichkeiten bei CH Media anbieten – auch während einer globalen Pandemie und den daraus entstehenden Herausforderungen», so Heini weiter. «Mit einer eigenen Ausbildung investieren wir einerseits in den Journalismus von morgen und beugen anderseits einem Nachwuchsproblem vor.» Zeitungen seien zwingend darauf angewiesen, Journalistinnen und Journalisten selbst auszubilden. Oft gebe es in den Regionen keine anderen Medien, die überhaupt Ausbildungsplätze anbieten würden.

Werbekampagne buhlt um Nachwuchs

In der Offensive ist auch die Ringier Journalistenschule und wirbt mit einer Imagekampagne um Nachwuchstalente. Ab dem 3. Januar 2022 wird in den Medien von Ringier und Ringier Axel Springer Schweiz ausserdem die Ausschreibung für die neue Klasse beworben. Der neue zweijährige Lehrgang startet im Sommer 2022 und bietet Platz für 14 bis 20 Journalistenschülerinnen und -schüler. Erst Ende August wurden 14 sogenannte «JouSchus» feierlich diplomiert.

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Daneben schreibt die Ringier-Gruppe zweimal im Jahr unter dem Namen «NextGen» allein im Blick-Newsroom 20 Praktikumsplätze aus. Ein Praktikum dauert dabei sechs Monate und kann einmal um weitere sechs Monate verlängert werden. «Die Investitionen in den eigenen Nachwuchs ist der Verlegerfamilie sehr wichtig. Das zeigt schon die Tatsache, dass dieses Engagement schon 47 Jahre lang andauert», so Hannes Britschgi, noch bis im kommenden Frühjahr Leiter der Ringier Journalistenschule. «Ringier ist sich durchaus bewusst, dass dies auch ein Einsatz für die Schweizer Medienlandschaft insgesamt ist – schliesslich zieht es die ausgebildeten Medienprofis im Verlaufe ihrer Berufskarriere auch in andere Verlage.»

Nachwuchsförderung «ausserordentlich wichtig»

Keine Praktika gibt es auf der Redaktion der Neuen Zürcher Zeitung – sondern ausschliesslich die Möglichkeit eines zwölfmonatigen Volontariats. Am 1. September haben acht Volontärinnen und Volontäre ihre Ausbildung gestartet. «Nach einer intensiven Kursphase zu Beginn des Volontariats machen die Volontärinnen und Volontäre im Verlauf des Jahres Station in zwei Ressorts. Sie werden dabei ermutigt, sich in sämtlichen Medien- und Textformen auszuprobieren und sich über alle Ressorts hinweg im Haus zu vernetzen», sagt NZZ-Kommunikationschefin Karin Heim.

Der NZZ sei es «ausserordentlich wichtig», eigenen Nachwuchs auszubilden. «Es gibt keine bessere Gelegenheit, sich gegenseitig kennenzulernen», so Heim. Ziel sei, dass die Kandidatinnen und Kandidaten im Verlauf des Jahres herausfinden können, ob der Beruf ihnen Spass mache und ob die NZZ zu ihnen passe. Und umgekehrt wolle die NZZ herausfinden, ob die Kandidatinnen und Kandidaten an die Falkenstrasse passen. Heim: «Wir rekrutieren aus dem Pool der Volontäre regelmässig fest angestellte Redaktorinnen und Redaktoren.»

Wenn aus Volontären Chefredaktoren werden

Bei den Bezahlzeitungen von Tamedia werden aktuell in der ganzen Schweiz insgesamt 22 Volontärinnen und Praktikanten ausgebildet. Eine davon ist Alexandra Aregger. Sie gewann das Förderprogramm für investigativen Journalismus, welches ein einjähriges, bezahltes Praktikum im Recherchedesk von Tamedia in Bern und Zürich umfasst.

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«Die Nachwuchsförderung ist seit jeher ein fester und wichtiger Bestandteil bei Tamedia. So hat etwa Mario Stäuble, heute Co-Chefredaktor, ursprünglich als Volontär beim Tages-Anzeiger angefangen», so Nicole Bänninger, Leiterin Kommunikation Tamedia. Manchmal kehre jemand auch nach vielen Jahren wieder zu Tamedia zurück. Ein Beispiel: Isabelle Jacobi, die ihre Karriere einmal bei der Zeitung Der Bund begonnen hat und jetzt als Chefredaktorin zurückkommt. «Nachwuchsförderung geht für uns aber über Volontariate oder Praktika hinaus. Sie beinhaltet generell Weiterentwicklungsmöglichkeiten im Unternehmen», so Bänninger weiter.

20 Minuten setzt auf sechs- bis zwölfmonatige Praktika. Auch hier konnten auf diese Weise bereits Talente rekrutiert werden, die anschliessend bei 20 Minuten Karriere machten. «So zum Beispiel Daniel Waldmeier, der 2008 im Ressort Inland zu 20 Minuten stiess und auf Anfang April 2021 in die Chefredaktion befördert wurde. Oder Julia Panknin, die 2014 mit einem Praktikum bei 20 Minuten in Zürich startete und heute als Leiterin Projekte zu den Mitgliedern der Redaktionsleitung zählt», sagt Eliane Loum-Gräser, Leiterin Kommunikation 20 Minuten. Wichtig seien Praktika auch deshalb, weil nicht nur die Auszubildenden profitieren würden. «Umgekehrt ermöglichen es uns die meist jungen Praktikantinnen und Praktikanten, eine junge Sicht in unsere Berichterstattung einzubringen.» Eine klassische Win-win-Situation also.

Immerhin: Auch wenn SRF den Stage pausiert, bei den Praktika sind keine Änderungen geplant. Pro Jahr erhalten rund 150 Abgängerinnen und Abgänger von Hochschulen die Möglichkeit, in das Unternehmen hineinzusehen und gleichzeitig mitzuarbeiten.



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